Kleine Katzengedichte,

die ich im Netz gelesen habe und schön finde.

Katz und Maus
Als ich noch in die Schule ging war unsere Katz ein Kater, 
der schnurrte und auch Mäuse fing, dann lobte ihn mein Vater. 
Sein Schüsselchen am Küchenherd Hat Mutter nie vergessen, 
doch unser Kater, wohlgenährt, hat nie es leer gefressen. 
Sein Lieblingsplatz war Omas Schoß, dort hat’s ihm gut gefallen, 
sie spürte Sammetpfötchen bloß und niemals spitze Krallen. 
Doch sah er auch noch so friedlich aus, weil Hunger ihn nicht plagte, 
vor ihm war sicher keine Maus, die aus dem Loch sich wagte. 
Wie grausam ist doch die Natur ! So sage ich mir heute, 
er sah die Maus als Spielzeug nur und quälte seine Beute. 
Ob wir als Menschen besser sind ? Ist eine Gretchenfrage, 
denn gut und böse, wie ich find, hält sich in uns die Waage ! 
Auch Menschen töten ohne Not, weil Hass ein altes Übel. 
Das Kain schlug Bruder Abel tot, berichtet schon die Bibel. 

Wunsch einer Katze
Mein lieber DOSI,
der Du so sehr meine Anmut bewunderst
und gern mein Fell streichelst,
ich bitte Dich,
meine Gewohnheiten und Eigenarten zu
respektieren und manchmal auch meine
Zurückgezogenheit.

Behandle mich nicht wie einen Sklaven,
Du würdest mich nur erniedrigen und
verschrecken.
Denke nicht,
ich sei irgend jemand,
sondern vergiss nicht,
dass ich Dein zärtlicher
und treuer Freund bin.

Zeige mir stets Deine Liebe,
und ich werde Dich auch immer lieben
und Deine schnurrende Schmeichelkatze sein,
wenn Du mich auf dem arm hältst.

Deine Katze.

Komm, schöne Katze, an mein Herz,
Doch ziehe ein die scharfen Klauen;
Laß mich in deine Augen schauen,
In Augen aus Achat und Erz.

Wenn ich dich dann geruhsam streichle,
Am Kopf und auf dem schlanken Rücken,
So bebt die Hand mir vor Entzücken,
Auf daß ich dich noch mehr umschmeichle.

Im Geist seh ich die Frau in dir,
Ihr Blick gleicht deinem, liebes Tier.
Er geht mir weh durch Mark und Bein.

Vom Fuß zum Haupte hüllt dich ein
Ein feiner Hauch; gefährlich, schnell
Entströmt er deinem braunen Fell.

Katzen schlafen Überall, Auf jedem Tisch, Jedem Stuhl,
Auf dem Klavier, Der Fensterbank, In der Mitte,
In den Ecken, In der Schublade, Im leeren Schuh,
Auf irgendeinem Warmen Schoß, Eingezwängt In einem Pappkarton,
Im Kleiderschrank Bei deinen Sachen - Was soll man machen?
Ganz egal, Katzen schlafen Überall!

Die Dichterkatze, würdig und betagt,
Wie sie dem Dichter wohl behagt,
Sucht sich immer stille Plätze,
Um auszuruhn von der Hetze
Und in solcher Einsamkeit
Zu sinnen über Freud und Leid.
Ich weiß nicht: Woher hat sie das nur?
Vielleicht war es ja die Natur,
Die zum Denker sie gemacht - Sonst hat s ihr Herr ihr wohl beigebracht.

Zum Frühstück gab es Brötchen,
Hierzu trank man Kaffee,
Die Katze und ihr Pfötchen
Noch heut ich vor mir seh.

Ich schuf um jene Zeiten
Auf hübsch geblümtem Tuch,
Erfolg mir zu erstreiten,
Ein umfangreiches Buch.

Durch Tage, Nächte, Wochen,
In schweigendem Gelaß,
Schrieb ich ununterbrochen.
Was für ein Fleiß war das!

Der Katze leises Raunen
Trieb mich zum Dichten an.
Aus einer Schar von Launen
Erstand mir der Roman.

Wer möchte nicht ein Kätzchen sein,
hat keine Schule, kein Latein,
braucht nicht zu rechnen,
braucht nicht zu lesen.
Ach, die Kätzchen sind glückliche Wesen.

Spielen den ganzen Tag in der Sonne,
jagen sich um die Regentonne,
stoßen sich, kugeln sich in den Sand,
linkerhand klapps,
klapps rechterhand.

Ach, und sie können kein Hemdchen zerschleißen,
ach, und sie können kein Hemdchen zerreißen,
höchstens, daß sie sich einmal kratzen,
aber dafür sind es auch Katzen.

In meinem nächsten Leben

Dösen, schlummern, ratzen,
entspannen alle Tatzen,
sitzend und im Liegen
in Träume tief sich wiegen,
freudig, selig schnurren,
aus tiefster Seele purren,
herzhaft manchmal gähnen,
nach noch mehr Schlaf sich sehnen,
liebevoll dann schmusen,
dabei im Kopf nur Flusen,
stetig Blödsinn machen,
verstecken kleinste Sachen,
kurz ein bißchen spielen,
dem Ball nach durch die Dielen,
zärtlich auch mal kuscheln,
miauend etwas nuscheln,
feinste Delikatessen,
den ganzen Tag nur fressen,
Lebensglück und Lachen,
sich niemals Sorgen machen.

In meinem nächsten Leben,
dafür würd ich was geben,
möchte ich ein Kätzchen sein,
ja, das wär so richtig fein.
© Kirsten Schulitz
veröffentlicht in Lyrische Glanzlichter, Band 3
ISBN 3-8311-3596-7 (Euro 11,-)

Wer schleicht da um die Ecke?
Wer schleicht da um die Ecke,
man hört fast keinen Laut?
Die altbekannte Strecke -
hat da wer miaut?

Wer streicht um meine Beine
und schaut dann zu mir auf?
Die Jacke, die ist meine,
denkt sie und legt sich drauf.

Wer setzt sich da jetzt zu mir
gemütlich auf den Schoß
und schnurrt und purrt ganz leis hier,
wenn ich sie nur liebkos?

Wer rennt jetzt durch das Zimmer
und jagt den Gummiball?
Darauf folgt dann wie immer
der Sprung zum freien Fall.

Wer legt sich nachts daneben,
wenn ich zu Bette geh?
Ich spür das freche Streben,
zu ärgern meinen Zeh.

Wer weckt mich morgens leise
und doch mit Dringlichkeit
und fragt auf diese Weise:
Hast du jetzt für mich Zeit ?

Mein kleines Kätzchen ist es,
das ich hier beschrieb.
Sieh, da vorne sitzt es -
Schaut es nicht ganz lieb?

© Kirsten Schulitz

Im Katzenhimmel gibt es
dicke und dünne Katzen,
große und kleine Tatzen,
weiße und schwarze Pfoten,
die Bunten und die Roten.

Im Katzenhimmel gibt es
Käse, Milch und Butter,
Krabbensalatfutter,
Kartoffeln, Mais und Fisch,
Brekkiessardinenquiche.

Im Katzenhimmel gibt es
für jeden eine Fellmaus,
Spielzeug in Saus und Braus,
Kratzbäume Meter hoch,
fliegende Käfer noch und noch.

Im Katzenhimmel gibt es
Kuscheldecken und Kissen,
duftende Rosen und Narzissen,
Federbetten und Decken,
tausend Plätze zum Verstecken.

Jede Samtpfote
bekommt ein Plätzchen
in diesem Paradies für Kätzchen.

©
Kirsten Schulitz

Katzentier

Eines Sonntags, völlig arglos,
sitzt beim Kaffee du um vier
Plötzlich maunzt es, raschelt, kratzt es-
es erscheint ein Katzentier

Mit den Pfoten samtenzart
unnachahmlich in der Art,
schleicht es sich mit viel Allüre
heimlich durch die Hintertüre

Schlabbert zierlich und mit Wonne
Milch, die du ihm eingegossen
Und schon hast du ganz ungeplant
einen neuen Hausgenossen

Unnütz, Unmut zu bekunden
denn noch eh du dich versehn,
hat er seinen Platz gefunden
und das Wunder ist geschehn

Schnurrend drang er in Dein Leben
das er zärtlich nun regiert
Macht zum Katzennarr dich eben-
stahl dein Herz ganz ungeniert

Autor unbekannt

Wer Tiere quält, ist unbeseelt,
und Gottes guter Geist ihm fehlt.
Mag noch so vornehm drein er schauen,
man sollte niemals ihm vertrauen.
Goethe:

Hund und Katze

Miezel, eine schlaue Katze, Molly, ein begabter Hund,
Wohnhaft an demselben Platze, Haßten sich aus Herzensgrund.

Schon der Ausdruck ihrer Mienen, Bei gesträubter Haarfrisur,
Zeigt es deutlich: Zwischen ihnen Ist von Liebe keine Spur.

Doch wenn Miezel in dem Baume, Wo sie meistens hin entwisch,
Friedlich dasitzt, wie im Traume, Dann ist Molly außer sich.

Beide lebten in der Scheune, Die gefüllt mit frischem Heu,
Alle beide hatten Kleine, Molly zwei und Miezel drei.

Einst zur Jagd ging Miezel wieder Auf das Feld. Da geht es bumm.
Der Herr Förster schoss sie nieder. Ihre Lebenszeit ist um.

Oh, wie jämmerlich miauen Die drei Kinderchen daheim.
Molly eilt, sie zu beschauen, Und ihr Herz geht aus dem Leim.

Und sie trägt sie kurzentschlossen Zu der eignen Lagerstatt,
Wo sie nunmehr fünf Genossen An der Brust zu Gaste hat.

Mensch mit traurigem Gesichte, Sprich nicht nur von Leid und Streit,
Selbst in Brehms Naturgeschichte Finder sich Barmherzigkeit.

( von Wilhelm Busch )

Gedichte von Andreas Grasl
Glückskatze

In einer lauen Sommernacht fuhr er im Wagen schnell nach Haus.
Zwölf Bieren zugelacht im vollen Dorfwirtshaus. Sie hat vor ihm die Straße 
überschritten, war wohlbehalten am Straßenrand. Da hat ihn plötzlich 
der Teufel geritten als er das Lenkrad dreht ganz elegant.
Und er war stolz auf seine Tat, daß er in jener Sommernacht
mit Absicht und mit Vorbedacht eine dreifarbige Glückskatze 
totgefahren hat.

Seit jener lauen Sommernacht ist das Leben für ihn ein Graus.
Irgend eine böse Macht spielt mit ihm nur Katz und Maus.
Den Job hat er verloren, das Geld ist auch dahin.
Er sucht nach den Faktoren und nach dem ganzen Sinn.
Er weiß sich keinen Rat seit er in jener Sommernacht
mit Absicht und mit Vorbedacht eine dreifarbige Glückskatze 
totgefahren hat.

Seit jener lauen Sommernacht geht selten er nur aus dem Haus.
Seine Frau hat sich davongemacht und lang war er im Krankenhaus.
Sein Arzt ist sehr besorgt um ihn. Nachts träumt er von Katzenaugen.
Es hilft ihm keine Medizin, kein Mittel kann ihm taugen.
Wie sehr bereut er seine Tat, das er in jener Sommernacht
mit Absicht und mit Vorbedacht eine dreifarbige Glückskatze 
totgefahren hat.


Weggefährten

Deinen Weg gingst Du alleine voran und friertest und dachtest, das gehört sich so.
Obwohl ich auf vier Beinen gehen kann, war ich als einsamer Kater auch nicht froh.

Eines Tages, ich weiß nicht mehr wann, der Wind pfiff kalt aus Norden.
Unsere Wege berührten sich kurz, wir sahen uns an und sind gleich dicke Freunde geworden.

Kamst Du auf meinem Weg oder sprang ich auf Deinen? Ist egal. Jedenfalls hab ich gesehn
seit wir mit sechs Beinen unseren Weg gemeinsam gehn ist s als würd die Sonne über uns 
viel heller scheinen und der Wind viel lauter weh n.



Warme Stube

Wenn Nachts die kalten Stürme heulen
und pitschnaß ist das Bäuchelein
will ich schnell nach Hause eilen
und in der warmen Stube sein.

Schnell lauf ich durch den hohen Farn
und sehe schon von Ferne
das Fenster mit dem Licht so warm -
Zu Haus! Hier bin ich gerne.

Am Fensterbrett muß ich am Fenster kratzen.
Sehnsüchtig schau ich in die Stube hinein,
wo warmer Ofen wärmt kalte Katzentatzen.
Hier bin ich Katz, hier will ich sein.

Mein Mensch öffnet das Fenster wie hypnotisiert,
mit glasig doofen Blick,
denn er hat schon wieder in die Glotze gestiert.
Jetzt brauch ich aber viel Geschick...

..um ihn zu normalisieren,
schnurre ich ein paar Zaubersprüche
Schon reibt er sich die Äuglein blank.
Gleich pennen wir zwei in der duftigen Küche
auf der warmen Ofenbank.

Letzter Weg

Diesen Weg muss ich alleine gehen mit vier Beinen und ohne Dich, mein zweibeiniger Freund.
Der laue Wind wird wieder kühler wehen Die Sonne früher untergehen
Bis wir beide wieder sind vereint.
Ich weiß, Du wirst sehr traurig sein Und manche Träne um mich weinen unsere Wege mußt gehen Du nun ganz allein Doch lass nicht zu viel Trauer in Dein Herz hinein bis die Sonne wird wieder über uns scheinen.
Verwandte Seelen wie wir, entfernen sich niemals so weit dass sie ihr Klingen nicht mehr spüren. Sie bleiben sich nahe, jenseits der Gefüge von Raum und Zeit Ihrer Seelenmelodie Einzigartigkeit wird sie wieder zusammenführen, darum mein teurer Freund lass mich nun gehen und sei für eine neue Begegnung bereit.
Links von der Regenbogenbrücke werden wir uns wiedersehen und mit sechs Beinen unseren Weg wieder zusammen gehen an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit.
Copyright 2001 by Andreas Grasl